Sag nein zu WhatsApp!

WhatsAppDie ohne Zweifel häufigste Frage, die in meinen Smartphone-Kursen an der Volkshochschule Hochtaunus gestellt wird, lautet: „Sollte ich WhatsApp verwenden?“ – Meine Antwort lautet stets: „Nein. Wer diesen Messenger nutzt, bewegt sich datenschutzrechtlich auf sehr dünnem Eis.“

„Wieso das denn?“, höre ich Sie dagegen halten. „Das macht doch so gut wie jeder!“ – Milliarden Ameisen können nicht irren? Tatsächlich hat die Zahl der WhatsApp-Nutzer weltweit längst die 1,5-Milliarden-Marke geknackt. 44 Prozent der deutschen Internet-Nutzer, also beinahe schon jeder Zweite, verwenden täglich den Messenger, um Nachrichten, Bilder oder andere Informationen an Freunde, Bekannte und Unbekannte zu verschicken; um zu telefonieren; um sich zu informieren. (Siehe unten, Quelle 1.)

Unwissenheit, Bequemlichkeit, Herdenverhalten

Das sind drei Gründe, warum jeder fünfte Mensch auf unserem Planeten einen Dienst wie WhatsApp verwendet. Damit bei meinen Lesern wenigstens der erste dieser drei Gründe wegfällt, möchte ich im Folgenden darstellen, welches Risiko sie durch die Verwendung des Messengers aus dem Hause Zuckerberg eingehen.

Annähernd jede(r) weiß, dass WhatsApp seit 2014 zum Facebook-Konzern gehört. Ebenfalls öffentlich bekannt ist, dass Kundendaten zwischen den Unternehmen des Konzerns ausgetauscht werden; daraus macht Facebook gar keinen Hehl (Quelle 2).
Was der Konzern mit den Daten der einzelnen Kunden tatsächlich anfängt, möchte ich hier gar nicht diskutieren. Jeder Teilnehmer gibt seine eigenen Daten freiwillig in die Hände von Facebook, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

WhatsApp: Die Datenkrake

Doch damit begnügt sich Facebook leider nicht. Tatsächlich bedient sich der Konzern großzügig bei den Kontaktdaten seiner Nutzer. In der aktuellen WhatsApp-Datenschutzrichtlinie (Quelle 3) steht wörtlich:

»Im Einklang mit geltenden Gesetzen stellst du uns regelmäßig die Telefonnummern in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten.«

Der Dienst holt sich also immer wieder personenbezogene Daten aller Kontakte ab, die auf den Smartphones seiner Nutzer abgespeichert sind; egal, ob diese Kontakte selbst WhatsApp nutzen oder nicht. Welche Daten genau das sind, wird nicht so genau ausgeführt.
Darüber hinaus findet sich ein paar Absätze weiter unten in den gleichen Nutzungsbedingungen folgender Hinweis:

»Wir verlangen von jedem dieser Nutzer […], dass sie die rechtmäßigen Rechte besitzen, um diese Informationen zu erfassen, zu verwenden und zu teilen, bevor sie uns irgendwelche Informationen bereitstellen.«

WhatsApp: Was bedeutet das?

Wenn man eins und eins zusammenzählt, bedeutet dies, dass jeder Nutzer des Dienstes explizite Einverständniserklärungen aller seiner Kontakte vorliegen haben muss, deren Daten an den Facebook-Konzern weitergeben zu dürfen. Mit dieser Forderung bringt das Unternehmen seine Kunden in arge Bedrängnis, denn solche Erklärungen dürfte so gut wie niemand eingeholt haben, bevor er Kontaktdaten in sein Smartphone einträgt.

Jeder WhatsApp-Nutzer (zumindest innerhalb der EU) läuft demnach Gefahr, von seinen Kontakten abgemahnt zu werden. – Aber das ist doch nur eine theoretische Gefahr, sagen Sie? Wo kein Kläger, dort kein Richter? Mag sein, doch ein erstes Gerichtsurteil zu dieser Sachlage gibt es bereits. (Siehe Quelle 4.)

Sie sollten sich also gut überlegen, ob Sie Ihrer Bequemlichkeit und Ihrem Herdentrieb nachgeben. Ein Leben ohne WhatsApp ist möglich (Quelle 5), es gibt Alternativen. Schloss & Ende


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bit.ly/whatsapp-no


Quellen:

  1. Statistiken zu WhatsApp, Statista, Stand 2018
  2. Die Facebook-Unternehmen, Facebook, Stand 2019
  3. WhatsApp Datenschutzrichtlinie, Stand 2019
  4. Weitergabe von Kontaktdaten an WhatsApp unzulässig – Urteil mit „Signalwirkung“, Zeit Online, 2017
  5. Abschied von WhatsApp: Fünf gute Gründe, den Messenger zu wechseln, netzpolitik.org, 2016

DSGVO – zum ersten Geburtstag

Heute vor einem Jahr, am 25. Mai 2018, ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in den Mitgliedsländern der Europäischen Union in Kraft getreten. Dabei handelt es sich um eine EU-Verordnung, die die Verarbeitung personenbezogener Daten sowie den Datenaustausch innerhalb Europas einheitlich regelt.

Die DSGVO besteht aus 11 Kapiteln und 99 Artikeln, in denen im Wesentlichen sechs Grundsätze ausgeführt werden: von Datenminimierung & -richtigkeit, Speicherzeitbegrenzung, Transparenz, Vertraulichkeit bis Zweckbindung.*

Die Einhaltung der Grundsätze und Regelungen der DSGVO müssen die Verantwortlichen, ob nun institutionell oder betrieblich, aber gegebenenfalls auch privat nachweisen können. Andernfalls drohen empfindliche Strafen.

In Gesprächen mit meinen Kunden und Interessierten habe ich erfahren, dass auch nach einem Jahr noch große Unsicherheit, Zweifel, Ablehnung und hoher Informationsbedarf in Bezug auf die DSGVO bestehen. Das ist der Grund dafür, dass ich mich entschieden habe, mein Wissen und meine Expertise all denen anzubieten, die Beratung und Unterstützung benötigen. Schloss & Ende


Fußnote:

*) Wer es genauer wissen will, kann sich einen guten Überblick in der Wikipedia verschaffen, eine ausführliche Zusammenfassung bei Wilde Beuger Solmecke lesen, oder in den Text der Verordnung selbst eintauchen; oder gar bei Bedarf und im Zweifel Expertenrat einholen.